Die ganze Wahrheit über die Gebärmutterhalskrebs-Impfung

Solltest du dich noch impfen lassen?

Seit einigen Jahren wird jungen Mädchen geraten, sich vor dem ersten Mal gegen Gebärmutterhalskrebs impfen zu lassen. Wie sieht der aktuelle Stand der Wissenschaft aus? Sollten sexuell bereits aktive Frauen ebenfalls noch eine HPV-Impfung erhalten?

Die ganze Wahrheit über die Gebärmutterhalskrebs-Impfung

Impfung für Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren

Humane Papillomaviren (kurz: HPV) werden hauptsächlich durch sexuelle Kontakte übertragen. Die meisten dieser Viren sind relativ harmlos, manche Typen können aber Krebs auslösen. Es gibt mehr als hundert verschiedene Typen des HP-Virus, 19 bis 25 davon werden mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht. Sie heißen “Hochrisiko-HPV”.

Die HPV-Impfung schützt vor einer Infektion mit bestimmten HPV-Typen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können, berichtet das Robert Koch Institut. Die Impfung senkt zwar das Risiko einer Infektion mit den gefährlichsten Hochrisikotypen (HPV 16, 18 und 6 sowie 11), die Ansteckung mit anderen HPV-Typen ist jedoch weiterhin möglich. Etwa 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs werden durch die HPV-Typen 16 und 18 verursacht.

Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung für alle Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren, spätestens bis zum 18. Lebensjahr und vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Die Kosten der Impfung übernimmt die Krankenkasse.

Warum vor dem ersten Mal?

Je früher geimpft wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Mädchen noch nicht mit den Viren infiziert hat, berichtet der Krebsinformationsdienst. Durch den intimen Körperkontakt (also nicht nur Geschlechtsverkehr) findet laut dem Robert Koch Institut “eine rasche Durchseuchung mit HPV” statt. 

Der Impfstoff ist daher am wirksamsten, wenn noch keine HPV-Infektion vorliegt. Wer bereits intim war, muss damit rechnen, dass die Impfung nicht mehr wirkt. Da es jedoch verschiedene HPV-Typen gibt, könnte eine Impfung trotzdem noch vor anderen Unterformen schützen.

Die ganze Wahrheit über die Gebärmutterhalskrebs-Impfung

Spätere Impfung auch sinnvoll

Die Wirksamkeit der Impfung bei älteren Frauen hängt von der individuellen Lebensführung ab. Das bedeutet, wer wenige Partner hatte und oft Kondome verwendete, hat womöglich ein geringeres Risiko, bereits mit HPV infiziert zu sein.

Manche Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse (TK) erstatten die Kosten für die Impfung bis zum 27. Geburtstag, der Impfstoff muss jedoch selbst gezahlt werden. Es lohnt sich, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, inwieweit Kosten übernommen werden. Lasse Dich außerdem vom Frauenarzt beraten.

Du musst Dich nicht vor der Impfung testen lassen, ob Du bereits mit HPV infiziert bist. Denn auch bei einem positiven Testergebnis macht nur in den seltensten Fällen eine Impfung keinen Sinn mehr, da der Impfstoff eine Infektion mit verschiedenen HPV-Genotypen verhindert.

Männer sind auch betroffen

In Deutschland erkranken jährlich fast 5.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Am häufigsten sind Frauen zwischen 40 und 49 Jahren betroffen. 2011 starben laut Statistischem Bundesamt etwa 1.600 Frauen daran. Auch bei Männern können die Papillomaviren Krebs auslösen.

Einen hundertprozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs gibt es durch die Impfung leider nicht. Daher sollten Frauen weiterhin regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt gehen.