Hassliebe: Was steckt dahinter und wie überwindest du sie?

Hassliebe klingt völlig widersprüchlich. Doch einige Menschen verspüren sie. Was steckt dahinter und wie überwindest du sie?

Ein Paar, das sich umarmt und offensichtlich liebt. Kann es sich auch hassen?
Quelle: imago images / Westend61

Hass und Liebe sind für viele Menschen zwei gegensätzliche Emotionen. Unseren Partner, die Familie und unsere Freunde lieben wir (in den meisten Fällen jedenfalls). Unseren Chef, den nervigen Nachbarn oder unliebsame Expartner können wir auch mal hassen. Doch es gibt einen Begriff, der beide Gefühle miteinander verknüpft: Die Hassliebe. Doch was ist das überhaupt? Können wir jemanden wirklich lieben und gleichzeitig hassen? Und was macht das mit uns? Im Folgenden siehst du, was genau dahinter steckt und wie du Hassliebe möglicherweise sogar überwindest!

Los geht's!

Eine Frau und ein Mann, die den Hängebrücken-Trick nutzen, wodurch am Ende auch Hassliebe entstehen kann
Quelle: imago images / Alexander Rochau

Was ist Hassliebe und wie entsteht sie?

Eigentlich ist Hassliebe ziemlich paradox. Schließlich sind Liebe und Hass zwei genau gegensätzliche Gefühle. Doch der Mensch ist, wie wir wissen, ziemlich komplex und so ist auch das möglich. Tatsächlich entsteht Hassliebe meist dann, wenn unser Gehirn bestimmte Emotionen ganz anders interpretiert. Dieses Phänomen hat auch einen Namen: Der Hängebrücke-Trick. Demnach verspüren wir zum Beispiel Aufregung in einem Hochseilgarten. Die Höhe und Unsicherheit gibt uns einen Adrenalinkick. Wenn wir dann in Gesellschaft sind, kann unser Gehirn dieses Gefühl mit dem Menschen verknüpfen. Wir verspüren also in seiner Gegenwart ein leichtes Kribbeln, das zwar von der Höhe kommt, aber vergleichbar mit dem Verliebtheitsgefühl sein kann. Daher soll sich ein Sprung in die Tiefe auch besser für ein erstes Date eignen als ein Kinobesuch.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Person, die wir lieben eigentlich nur eine Kleinigkeit an sich haben muss, die Hass oder Abneigung in uns auslöst und schon können wir diese Person gleichzeitig lieben und hassen.

Eine Frau, die ein Gefühlschaos in sich trägt und daher anfällig für Hassliebe ist
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Welche Ursachen hat Hassliebe?

Besonders anfällig dafür, Personen im Umfeld zu lieben und gleichzeitig zu hassen, ist ein bestimmter Typ von Mensch. Auslöser für Hassliebe sind zum Beispiel Unsicherheit oder ein schlechtes Selbstwertgefühl, denn das führt oft dazu, dass man sich selbst als nicht gut genug betrachtet und den Gegenüber umso mehr verachtet. Auch ein Gefühl der Abhängigkeit kann Hassliebe auslösen. Darüber hinaus können zu hohe Ansprüche ebenfalls dafür sorgen, dass man den Partner irgendwann nicht nur liebt, sondern auch verachtet. Schlussendlich ist ein generelles Gefühlschaos ebenfalls dafür verantwortlich, solche gegensätzliche Emotionen zu verspüren...

Ein Foto einer Frau, die von Hassliebe betroffen sein könnte, weil die Signale übereinstimmen
Quelle: imago images / Science Photo Library

Daran erkennst du Hassliebe

Du bist dir nicht sicher, ob du selbst oder dein Partner von Hassliebe betroffen ist? Dann solltest du auf die folgenden Signale achten: So sind Gefühlsausbrüche typisch für Beziehungen, in denen sich Hassliebe eingegliedert hat. Die Betroffenen sind von diesem inneren Konflikt so stark überfordert, dass ihre Gefühle einfach explodieren. Ein weiteres Indiz sind Stimmungsschwankungen. So sind Ruhe und Geborgenheit in der Partnerschaft eher ein seltenes Gut. Darüber hinaus neigen die Betroffenen häufig zu einem Konkurrenzdenken und zu Kontrollsucht. Dabei steht die Person in der ständigen Erwartungshaltung, wann der Partner etwas tut, wodurch man sich entscheiden kann: Liebe oder hasse ich ihn? Zu guter Letzt ist Abhängigkeit ein klares Symptom von Hassliebe. Wenn man nichts dagegen unternimmt, kann die Beziehung am Ende ziemlich toxisch sein...

Das Foto zeigt eine Partnerschaft, die die Hassliebe überwinden konnte
Quelle: imago images / Addictive Stock

Wie überwinde ich Hassliebe?

Den meisten dürfte schon aufgefallen sein, dass Hassliebe keine gute Grundlage für eine gesunde Beziehung darstellt. Doch hat man erstmal herausgefunden, dass man davon betroffen ist, ist es gut möglich die Partnerschaft vor einer Trennung noch zu retten.

1. Übernehme Verantwortung

Der erste Schritt ist getan, wenn du selbst erkennst, dass du von Hassliebe betroffen bist und dieses Gefühl von dir ausgeht. Wenn du es stetig leugnest und einfach so weiterlebst, ist keinem geholfen. Daher solltest du dein Verhalten grundlegend reflektieren und eventuell auch fremde Hilfe in Anspruch nehmen, um zu erkennen, dass du Hassliebe empfindest.

Eine Frau, die Tagebuch schreibt, um ihre Hassliebe zu dokumentieren
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2. Ergründe die Ursache

Es kann dir ebenso helfen, wenn du die Ursache deiner Hassliebe ergründest. Stammt dieses Gefühl bereits aus der Kindheit? Wie lange und bei welchen Personen empfindest du Hassliebe? Dabei könnte dir schon ein Tagebuch helfen, in dem du deine täglichen Gefühle dokumentierst. Vielleicht erkennst du dabei ein Muster. Außerdem solltest du in Betracht ziehen dir professionelle Hilfe zu suchen, um herauszufinden, woher dieses Gefühl kommt und ob vielleicht wirklich mehr dahinter steckt, als man zunächst denkt. Sonst wird es schnell ein Teufelskreis, den man nur schwer verlassen kann. 

Ein Foto einer selbstbewussten Frau, die an sich gearbeitet hat
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3. Arbeite an deinem Selbstbewusstsein

Das klingt zunächst einfacher als es ist. Doch keine Sorge, mit der richtigen Technik kannst auch du ein bisschen selbstbewusster werden. Denn je stabiler die Persönlichkeit, desto weniger wirst du der Hassliebe ausgeliefert sein. Um das zu schaffen solltest du in kleinen Schritten denken und dein Selbstbewusstsein nach und nach steigern. Es kann schon helfen, wenn du dich deinen Ängsten stellst - Seien es nur Kleinigkeiten, die dich ins Schwitzen bringen. Darüber kannst du daran arbeiten, dass du dir erlaubst Fehler zu machen und du dich trotz dieser wohl fühlst. Erwarte am Anfang nicht zu viel. Das ist ein stetiger Prozess!

Man sieht ein Pärchen, das auf sich selbst und sich gegenseitig vertraut
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4. Vertraue auf dich selbst und auf deinen Partner

Dieser Punkt hat wieder ein wenig mit deinem Selbstbewusstsein zu tun. Manchmal solltest du dir einfach selbst vertrauen. Wenn du stetig Zweifel an dir hegst und auch deinem Partner nicht vertraust, kann das schnell zur Hassliebe führen. Das bedeutet: Wenn du das Gefühl hast, deinem Partner nicht vertrauen zu können, solltest du dich diesen Gefühlen stellen und beispielsweise das Gespräch suchen. Wenn du die Gefühle in dich hineinfrisst und dich abkapselst, ist keinem geholfen.

Manchmal muss  man sich auf die Liebe fokussieren und nicht auf den Hass
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5. Fokussiere dich auf die Liebe

Wenn du mal wieder merkst, dass du deinen Partner zwar liebst, aber gleichzeitig auch hasst, dann fokussiere dich am besten das Gefühl der Liebe. Zwar solltest du den Hass nicht konsequent unterdrücken, doch gib diesem negativen Gefühl keine Chance, deine Gedanken zu bestimmen. Wenn du eure Liebe in den Mittelpunkt stellst und dir klarmachst, dass dein Partner nicht immer so ist oder reagiert, wie du das möchtest, gibt das der Hassliebe bereits weniger Raum.

Der Schlussstrich und die Trennung ist manchmal der letzte Ausweg, um der Hassliebe zu entkommen
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6. Zeige Mut zur Veränderung

In manchen Fällen gibt es wohl nur noch einen letzten Ausweg, denn im Grunde deines Herzens weißt du, dass du und dein Partner euch gegenseitig nicht guttut. Um dem zu entgehen, solltest du Mut beweisen und eine Trennung in Erwägung ziehen. Denn in den meisten Fällen projizieren die Betroffenen ihre Unzufriedenheit auf den Partner und aus Liebe wird schließlich Hass. Um sich selbst weiterzuentwickeln und die Hassliebe zu überwinden, solltest du deine Beziehung grundlegend überdenken und eventuell einen Schlussstrich ziehen.