Generationskonflikt: So denken Stars über die GenZ
Work-Life-Balance trifft auf alte Schule: Wie sehen deutsche Stars die GenZ wirklich? Ina Müller, Moritz Bleibtreu & Co. packen aus.
Zwischen „Work-Life-Balance“, „Quiet Quitting“ und dem Wunsch nach Sinnstiftung: Kaum eine Generation wird so heiß diskutiert und gleichzeitig so oft missverstanden wie die GenZ. Darunter versteht man zwischen 1995 und 2010 geborenen Personen, die als erste Generation in das digitale Zeitalter hineingeboren wurden. Während die einen in ihr die mutigen Weltveränderer*innen sehen, wittern andere eine neue Ära der Empfindlichkeit und fehlenden Belastbarkeit. Doch wie nehmen eigentlich Deutschlands Stars diesen Wandel wahr?
#1 Ina Müller: „Wirtschaftswunder-Gen“ trifft auf Entschleunigung
Ina Müller ist das Paradebeispiel für die „Hustle-Culture“ der alten Schule. Als Gastgeberin von „Inas Nacht“ ist sie bekannt für ihre Energie, doch hinter den Kulissen fordert sie sich und ihrem Team dafür auch viel ab. „Ich probe halt bis zum Erbrechen“, gibt sie Ende 2025 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg offen zu. Sie selbst sieht sich als „späte Generation Wirtschaftswunder“ und lebt nach dem harten Credo: „Wer viel arbeitet, dem gelingt auch viel.“ Doch genau hier prallen Welten aufeinander, wenn sie auf jüngere Kolleg*innen trifft.
Innerlich brodelt es manchmal in der Entertainerin, wenn das Tempo nicht stimmt: „Bitte, geh doch einfach mal‘n Schritt schneller, und heb' die Füße an“, denkt sie sich oft. Dass sie dabei manchmal den Kopf schüttelt und denkt „Alter, so wird das nie was mit dir!“, behält sie zwar meist für sich, doch die Kritik sitzt. Besonders beim Thema Respekt sieht sie eine gefährliche Entwicklung. Im Playboy bemängelte sie: „Früher fanden wir die Älteren auch nicht cool [...] aber wir haben sie nicht gehasst. Heute habe ich das Gefühl, der Respekt ist weg.“ Trotz dieser harten Worte zeigt sie sich dennoch gegenüber der der Deutschen Presse-Agentur auch reflektiert. Ina beginnt zu grübeln, ob die GenZ vielleicht doch etwas verstanden hat, was sie selbst übersehen hat: „Vielleicht ist deren Weg ja der bessere Weg. Sich ein bisschen Zeit nehmen, ein bisschen mehr ,Ohm‘ sein.“
#2 Katarina Witt – Die Eiskunstlauf-Ikone vermisst den Biss
Katarina Witt steht für eine Ära, in der Disziplin nicht verhandelbar war. Kurz vor ihrem 60. Geburtstag zieht die zweifache Olympiasiegerin Ende 2025 im Focus eine Trennlinie zur heutigen Jugend. Für sie ist klar: Ihre eigene Generation (Gen X) ist das Rückgrat der Gesellschaft. „Wir halten den Laden am Laufen“, stellt sie unmissverständlich fest. Was sie bei der GenZ und den Millennials beobachtet, lässt sie oft fassungslos zurück. Besonders die Unentschlossenheit im Berufsleben ist Katharina, die in der DDR groß geworden ist, ein Dorn im Auge. „Wenn mich heute ein 28-Jähriger unschlüssig anschaut und ernsthaft meint, er müsse noch drüber nachdenken, ob sein Job das Richtige sei, dann muss ich schon sagen: Wir haben einfach mal gemacht und losgelegt“, erklärt Witt.
Doch ihre Kritik geht deutlich tiefer. Sie zweifelt offen an der psychischen Widerstandsfähigkeit der Jüngeren und fragt sich, ob diese überhaupt „über die nötige Resilienz“ verfügen, um künftige Krisen zu meistern. Wo sie früher Chancen „immer bei den Hörnern gepackt“ hat, sieht sie heute oft eher Zögern und Zurückhaltung. Für sie scheint die heutige Suche nach der perfekten Work-Life-Balance fast wie ein Fremdwort und vermisst die bedingungslose Leistungsbereitschaft.
#3 Thomas Gottschalk – Mitleid statt Missgunst
Thomas Gottschalk blickt mit einer Mischung aus Skepsis und echtem Mitgefühl auf die heutige Generation. Für jemanden, der das Fernsehen über Jahrzehnte geprägt hat, wirkt die Welt der Influencer*innen oft befremdlich. „Ich muss aufpassen, dass ich nicht meine komplette Zeit damit verplempere, irgendwelche Realitystars oder YouTube-Influencer zu beschimpfen, weil ich nicht an sie glaube“, gestand er der Süddeutschen Zeitung. Er frage sich bei vielen Newcomer*innen schlicht: „Meint ihr das wirklich ernst?“
Doch Gottschalks Kritik ist laut ihm kein blinder Zorn, sondern eher Sorge um den Verlust von Ecken und Kanten. Er vermisst den Mut, auch mal ein Risiko einzugehen. Wer Millionen Follower*innen hat, stehe unter einem enormen Druck, bloß nichts falsch zu machen. „Die junge Generation heute ist so weichgekocht und so ängstlich auf Erfolg bedacht. Die steht so unter Druck. Das tut mir leid“, erklärt er. Während er früher live im Radio auch mal Redakteur*innen beschimpfte, solange es lustig war, sieht er heute eine Generation, die sich aus Angst vor dem Shitstorm, von denen Gottschalk auch schon einige erlebt hat, selbst zensiert. Für ihn ist es ein Privileg, in einer Zeit groß geworden zu sein, in der man noch „einfach mal machen“ durfte – eine Freiheit, die er der Jugend von heute fast ein wenig zurückwünscht.
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#4 Hannes Jaenicke – Frust über den verlorenen Kompass
Hannes Jaenicke ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um den Schutz unseres Planeten geht. Dass das ZDF 2026 nach 15 Jahren seine Doku-Reihe „Im Einsatz für …“ eingestellt hat, trifft ihn hart. Für ihn ist die Absetzung ein Symptom für ein viel größeres, gesellschaftliches Problem: eine zunehmende Gleichgültigkeit. „Die Leute denken einfach nicht mehr nach. Und sie haben offensichtlich auch den moralischen Kompass verloren“, schimpft der Schauspieler im Interview mit dem Berliner Kurier. Er beobachtet Trends wie das Comeback von Pelzmode und steigenden Fleischkonsum und sagt: „Lieber Gott, wirf Hirn vom Himmel!“
Besonders skeptisch blickt der Umweltaktivist auf den Einfluss der digitalen Welt auf die Jugend: „So dumm, wie diese Generation durch Social Media gemacht wird, ist da meiner Meinung nach Hopfen und Malz verloren“, so sein Urteil. Für Jaenicke, der sein Leben dem Kampf gegen Missstände in der Massentierhaltung und Überfischung verschrieben hat, scheint der Anschluss an die nächste Generation gefährdet zu sein.
#5 Moritz Bleibtreu – Plädoyer für mehr Toleranz gegenüber Älteren
Schauspielstar Moritz Bleibtreu betrachtet den Generationen-Clash zwar mit einer gesunden Portion Gelassenheit, fordert aber gleichzeitig mehr gegenseitiges Verständnis ein. Im Interview mit dem Playboy stellt er, wie der Kölner Stadt-Anzeiger zitiert klar, dass ihm bei manchen Diskursen – wie etwa dem Gendern – schlicht die „Verhältnismäßigkeit“ fehlt. Zwar sei es „gut und schön“, dass solche Debatten geführt werden, doch er mahnt zur Geduld mit der älteren Generation: „Es gibt eben Leute aus einer anderen Zeit, die das erst mal befremdlich finden, und das muss man ihnen auch zugestehen.“
Auch die moderne Kindererziehung betrachtet er kritisch, sieht darin jedoch eher ein gesellschaftliches Problem als eine Schuld der Jungen. Er glaubt, dass die Ängste heutiger Eltern massiv „monetarisiert“ werden. Für ihn sollte das Kinderkriegen das Selbstverständlichste der Welt sein – so wie er es früher in Italien erlebte, wo Kinder einfach unaufgeregt Teil des Alltags waren: „So wie man zwischendurch auch mal Husten bekommt.“
#6 Oliver Kalkofe – Abrechnung mit der „Generation HORST“
Oliver Kalkofe, der schon seit Jahrzehnten das Fernsehen und die Medienlandschaft beobachtet, blickt mit Sorge auf die Art und Weise, wie heute im Internet miteinander umgegangen wird. Er prägte dafür den Begriff der „Generation HORSTt“. Damit meint er aber keine spezifische Altersgruppe, sondern eher einen bestimmten Schlag von Menschen, die in den sozialen Medien sehr lautstark und oft unsachlich ihre Meinung kundtun.
Kalkofe kritisiert immer wieder, dass viele Menschen heute sofort empört reagieren, ohne vorher wirklich über ein Thema nachzudenken oder sich tiefgreifend zu informieren. Seiner Meinung nach geht der echte Austausch verloren. Er beobachtet eine Abkehr von Logik und Fakten hin zu reiner Emotionalität. Für jemanden, der von Berufswegen mit Satire und Kritik arbeitet, ist diese Entwicklung schwierig: Wenn jede überspitzte Bemerkung sofort einen „Shitstorm“ auslöst, wird es für den Humor und die freie Debatte immer enger. Er wünscht sich deshalb wieder mehr Gelassenheit und echtes Zuhören im digitalen Raum.
#7 Herbert Grönemeyer – Kritik an der „Großkotzigkeit“ der Älteren
Herbert Grönemeyer schlägt im Generationen-Konflikt ganz andere Töne an als viele seiner Kolleg*innen. In der Talkshow von Markus Lanz ging er im April 2023 sogar hart mit seiner eigenen Altersgruppe ins Gericht. Er zeigte sich sichtlich genervt von der „Großkotzigkeit und Überheblichkeit“ der Älteren gegenüber den Jüngeren. Er sieht das Problem also nicht bei einer angeblich „empfindlichen“ Jugend, sondern bei einer festgefahrenen Kommunikation und fehlender Wertschätzung der etablierten Strukturen. Für ihn ist es an der Zeit, dass die ältere Generation ihre Arroganz ablegt und erkennt, dass auch die Kreativität und die Bedürfnisse der Jüngeren einen festen Platz in der Wirtschaft und Gesellschaft brauchen. Er schätzt besonders, dass die Jüngeren keine Angst davor haben, unbequeme Fragen zu stellen und verkrustete Strukturen aufzubrechen. Für Grönemeyer ist das ein Zeichen von echter moralischer Stärke.
#8 Roland Kaiser – „Geh mit der Zeit, sonst musst du mit der Zeit gehen“
Während viele seiner Weggefährt*innen den Zeigefinger heben, plädiert Schlager-Ikone Roland Kaiser für radikale Gelassenheit. Er kann die Aufregung um die Jugend von heute nicht verstehen – aus einem einfachen Grund: Er erinnert sich an sich selbst. „Wir waren exakt genauso. Wir haben uns gegen das Establishment und die Älteren aufgebäumt“, stellt er Anfang 2025 im Gespräch mit der dpa klar. Für ihn ist die Reibung zwischen den Generationen kein Untergang, sondern völlig normal. Besonders beim Thema Sprache und Gendern zeigt er seinen Altersgenossen die rote Karte. Wer behauptet, damit nicht klarzukommen, bekommt von Kaiser eine klare Ansage: „Versuch’s doch mal! Du sprichst auch nicht mehr wie unter Goethe und Schiller.“ Sein Motto ist dabei so simpel wie knallhart: „Geh mit der Zeit, sonst musst du mit der Zeit gehen. Ganz einfach.“ Auch den Vorwurf der Faulheit lässt er nicht gelten. Kaiser betont, wie sehr er von seinen eigenen Kindern lernt, die ihm in der digitalen Welt weit voraus sind. Statt auf Defizite zu schauen, setzt er auf Kooperation: Wenn man sich in der Mitte trifft und sich gegenseitig bereichert, sei das schlicht „wunderbar“.
„Wir waren fleißig! Ihr seid faul?“
Um die festgefahrenen Fronten aufzubrechen, lud das ZDF 2024 zum direkten Duell unter dem provokanten Motto „Wir waren fleißig! Ihr seid faul?“. Hier trafen erfahrene Show-Größen auf die jungen Gesichter von heute. Eines der lautesten Wortgefechte lieferte sich Entertainerin Désirée Nick mit der jungen Generation. Ihr Hauptkritikpunkt ist die Abhängigkeit von der digitalen Welt: „Das Schlimmste, was jungen Leuten passieren kann, die sich über Social Media definieren, dass einer kommt und den Stecker zieht“, warnte sie fast schon prophetisch. Für sie ist diese Scheinwelt mitverantwortlich für eine gefährliche Orientierungslosigkeit.
Doch die GenZ blieb die Antwort nicht schuldig. Der 26-jährige Roman Lochmann, der als Teil des Musik-Duos „Die Lochis“ berühmt wurde und heute als etablierter Musiker arbeitet, versuchte das Klischee der Arbeitsverweigerung aufzuklären: „Es ist nicht so, dass unsere Generation keinen Bock auf Arbeit hat, sondern es geht uns um Werte.“ Unterstützung erhielt er von der Influencerin Isabelle Vivianne, die als gelernte Tischlerin eine Brücke zwischen traditionellem Handwerk und moderner Internet-Präsenz schlägt. Sie machte ihrem Ärger über die „Boomer“-Generation Luft: „Wir werden uns kein Eigenheim leisten können. Wir haben ein absolut unsicheres Rentenversprechen. Und trotzdem wird immer mit dem Finger auf uns gezeigt.“ Ihr bitteres Fazit an die Adresse der Älteren: „Ältere fordern viel, geben aber wenig zurück.“ Der Talk machte deutlich, dass hinter der vermeintlichen „Faulheit“ oft eine tiefe Zukunftsangst steckt.
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