Collien Fernandes: Vorwürfe und Anzeige gegen Ex-Mann Christian Ulmen
Ex-Frau Collien Fernandes packt aus: Warum der Fall Christian Ulmen eine Debatte über Deepfakes und die Gefahren digitaler Gewalt entfacht.
Die deutsche Medienwelt steht unter Schock: Moderatorin Collien Fernandes erhebt in einem aktuellen Statement vom 19. März 2026, sowie in einem umfassenden Exklusiv-Artikel des Spiegels, schwere Anschuldigungen gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler und Produzenten Christian Ulmen. Was 2025 als private Trennung begann, entwickelte sich nun zu einer Debatte über mutmaßliche Grenzüberschreitungen, die weit in den Bereich der digitalen Kriminalität hineinreichen sollen.
Im Kern der Vorwürfe stehen Behauptungen über gezielte Manipulationen und den Missbrauch privater Aufnahmen. Da es sich um ein laufendes Verfahren und einseitige Anschuldigungen handelt, gilt bis zu einer rechtskräftigen Klärung die Unschuldsvermutung. Dennoch löst der Fall bereits jetzt eine Welle der Bestürzung aus. Wir klären auf.
Triggerwarnung: Die folgende Berichterstattung thematisiert detailliert digitale Gewalt, Identitätsdiebstahl sowie s**ualisierte Gewalt und Verge*****ungsfantasien. Einige der Schilderungen, insbesondere die Beschreibungen von KI-generierten Inhalten und mutmaßlichen körperlichen Übergriffen, können belastend oder retraumatisierend wirken.
„Täterparadies“: Collien Fernandes kritisiert das deutsche Justizsystem
In der Talkshow von Caren Miosga kritisierte Collien Ulmen-Fernandes Ende März das deutsche Justizsystem scharf und bezeichnete Deutschland beim Thema digitaler Gewalt als „Täterparadies“. Da nur ein Bruchteil der Taten gemeldet wird, mahnte sie: „Nur 2,4 Prozent der digitalen Gewalt wird angezeigt. Man muss sich nicht wundern, dass wir dieses riesige Dunkelfeld haben.“
Ihre eigenen Erfahrungen mit den Behörden bezeichnete sie als entmutigend; eine Anzeige sei im Sande verlaufen: „Und dann hieß es irgendwann: Wir wissen von nichts.“ Fernandes forderte daher mehr Sensibilität und spezielle Schulungen bei der Polizei, da die Hürde für Betroffene hoch sei: „Es kostet Überwindung, zur Polizei zu gehen. Man braucht dafür Mut – und wenn man diesen Schritt geht, ist es total wichtig, wie man dort aufgenommen wird.“
Prävention müsse laut Fernandes bereits in der Schule ansetzen: „Man sollte bei den Kindern ein Bewusstsein für diese Thema schaffen.“ Zudem drängte sie auf schärfere Gesetze gegen Deepfakes und heimliche intime Aufnahmen. Als Vorbild nannte sie Spanien, wo deutlich härtere Strafen für Gewalt gegen Frauen gelten. Ihr Fazit: „Und das finde ich wichtig, dass man den Tätern ganz klar zeigt: Das geht so nicht.“
So reagiert Ulmen auf die Vorwürfe:
Gegen diese Vorwürfe wehrt sich Christian Ulmen
Während die Staatsanwaltschaft Itzehoe nach der Veröffentlichung des Spiegels wegen des Verdachts der Nachstellung ermittelt, setzt sich Ulmen juristisch zur Wehr: Über seine Anwälte hat er beim Landgericht Hamburg einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen zwei Beiträge des Magazins eingereicht.
Der Antrag der Kanzlei Schertz Bergmann richtet sich gegen drei zentrale Punkte der Berichterstattung:
- Video-Vorwürfe: Der Spiegel soll unterlassen, den Verdacht zu erwecken, Ulmen habe Videos mit Fernandes hergestellt oder verbreitet.
- Gewalt-Anschuldigungen: Das Magazin soll nicht mehr vermitteln, er habe körperliche Übergriffe, Körperverletzungen oder Drohungen gegen seine Ex-Frau begangen.
- Fehlinterpretation von Gerichtsterminen: Bezüglich eines Termins auf Mallorca soll die Behauptung „Wer [...] fehlt, ist Ulmen“ untersagt werden, da Ulmen dort weder geladen, noch der Termin aufrechterhalten wurde.
Ulmens Anwälte haben dem Spiegel eine Frist zur Stellungnahme gesetzt; eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus. Es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Auf den nächsten Seiten geht es genauer um den Fall:
Das jahrelange Rätsel um die Fake-Profile
Über ein Jahrzehnt lang befand sich Collien Fernandes in einem Zustand permanenter Verunsicherung. Im Internet tauchten auf professionellen Plattformen wie LinkedIn oder Xing immer wieder Profile auf, die ihren Namen tragen. Diese Accounts wurden genutzt, um Männer zu kontaktieren, um explizite, erotische Aufnahmen zu verschicken. Sie vermutete damals, dass anonyme „Internettrolle“ dahintersteckten – Menschen, die sie aus der Ferne demütigen wollten, wie der Spiegel berichtet. 2024 drehte sie sogar zusammen mit dem ZDF eine Dokumentation namens „Die Jagd nach den Tätern“ und reiste dafür weit umher, um die Unbekannten zu finden.
Die Hartnäckigkeit war beispiellos: Männer meldeten sich sogar bei ihrem Management und berichteten von intensiven Chats und empfangenen Tapes mit Frauen, die Fernandes „zum Verwechseln ähnlich“ sahen. Sie wehrte sich mit Anwält*innen, versuchte Löschungen zu erwirken und erstattete schließlich im November 2024 Strafanzeige gegen „unbekannt“. Zu diesem Zeitpunkt ahnte sie nicht, dass die Antwort viel schrecklicher sein würde, als sie es sich je vorgestellt hatte.
„Ich war das“ – Christian Ulmen gesteht mutmaßlich unter dem Weihnachtsbaum
Der Schock kam am ersten Weihnachtsfeiertag 2024. In einer Hamburger Hotelsuite soll die Welt von Collien Fernandes nach eigenen Aussagen endgültig zerbrochen sein. Laut ihren Schilderungen, die auch vom Spiegel erneut aufgefasst werden, las ihr damaliger Mann, Christian Ulmen, ein Interview, in dem sie über ihre Anzeige gegen die unbekannten Profil-Fälscher*innen sprach. Plötzlich soll die Stimmung gekippt sein. Er soll am ganzen Körper gezittert und gestanden haben: „Ich war das, ich habe das getan.“
Für Collien fühlte sich dieses Geständnis wie eine „Todesnachricht“ an. Der Mensch, dem sie am meisten vertraute, soll laut ihrer Darstellung derjenige gewesen sein, der sie über ein Jahrzehnt lang gedemütigt habe. „Mir wurde über Jahre mein Körper geklaut“, sagt sie rückblickend. Christian Ulmen selbst schweigt zu diesen schweren Vorwürfen.
Erschütternde Vorwürfe: Collien Fernandes bricht ihr Schweigen auf Instagram
Collien Fernandes ging mit einem persönlichen Statement auf Instagram in die Offensive. Die Details, die sie dort teilte, zeichnen ein Bild von unvorstellbarer digitaler Grausamkeit. Laut ihrer Schilderung wurde das „Spiel“ über 10 Jahre lang durchgezogen. Christian Ulmen soll dabei nicht nur Fotos verschickt, sondern sogar eine mit KI generierte Stimme von ihr genutzt haben, um mit Männern am Telefon S*xgespräche zu führen.
Besonders verstörend: Collien berichtet von einer „erotischen Geschichte“, die der Fake-Account an Männer verschickte. Darin wird laut ihrer Darstellung detailliert beschrieben, wie sie von 21 Männern verge****** wird. In der Geschichte soll zudem betont werden, wie sehr sie weine, Schmerzen habe und immer wieder sage, dass sie das nicht wolle. „Die Geschichte endet damit, dass ich nach der Gruppenverge****** noch eine Weile regungslos und verschmiert auf dem Boden liege“, schreibt sie in ihrem Statement.
Eine Welle der Solidarität – Prominente und Politik stehen an ihrer Seite
Nach Colliens mutigem Schritt an die Öffentlichkeit erfährt sie von allen Seiten überwältigenden Zuspruch. Prominente wie Motsi Mabuse, Carolin Kebekus und Ruth Moschner zeigen sich unter ihrem Post erschüttert. Der Tenor ist klar: „Die Scham muss die Seite wechseln.“ Auch politische Stimmen wie die von Kevin Kühnert drücken ihr Respekt aus: „Hochachtung für den Mut, sich über Jahre hinweg zu wehren und jetzt auch noch diesen großen Schritt zu gehen und das ganze Ausmaß transparent zu machen. Es sind diese Taten, die beweisen, dass der Satz ,Die Scham muss die Seiten wechseln‘ nicht in irgendwelche Sprüchekalender gehört, sondern in unser Bewusstsein.“ Die Kommentare von Kolleg*innen aus der Branche gehen ins Endlose: „Ich denke an dich! Danke für deinen Mut“, schreibt Model Stefanie Giesinger, Frauke Ludowig kommentiert: „Kranker sche***! Das gibt’s doch alles gar nicht! Ich schicke dir und deiner Tochter viel Kraft und bewundere deinen Mut!“ Und auch Malte Zierden lässt sich seinen Zuspruch nicht nehmen: „Volle Solidarität mit dir. So etwas auszuhalten braucht unfassbare Stärke. Es sind immer Männer. Aber ich hoffe, du weisst, hier stehen sehr viele Menschen hinter dir.“
Collien Fernandes äußert sich im Tagesthemen-Interview und erhält riesigen Support
Am Abend des 20. März 2026 nutzte Collien Fernandes die Bühne der Tagesthemen, um die Debatte auf eine gesellschaftliche Ebene zu heben. Sichtlich bewegt betonte sie, dass „digitale Gewalt reale Gewalt“ sei, und berichtete offen über ihre jahrelange psychotherapeutische Behandlung. Ihr Ziel ist es, das Thema aus dem Dunkelfeld zu holen und aufzuzeigen, dass Täter im Netz viel zu oft straffrei davonkommen. „Ich habe das Gefühl, dass es jahrelang nicht ernst genommen wurde“, so die Moderatorin.
Nur einen Tag später, am 21. März, folgte ein neuer kraftvoller Appell über Instagram. Fernandes bedankte sich für den „überwältigenden Support“ und erklärt: „S*xuelle, physische und psychische Gewalt seien „weiter verbreitet, als man ahnen mag. Sie finden statt, in der Mitte unserer Gesellschaft“, schreibt sie. „Es sind nicht nur die Anderen und die Täter sind oft nicht so, wie die Fiktion sie uns präsentiert: gruselig dreinblickende Bösewichte. Es sind die Männer in unserer Mitte. Die Netten, die Lustigen, die Sympathischen.“
„Die gefährlichsten Männer sind oft die aus unserem engsten Umfeld“: Sarah Engels solidarisiert sich mit Collien
Sarah Engels äußerte sich Ende März via Instagram zu den schwerwiegenden Vorwürfen von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen: „Wenn aus dem Täter ein Opfer gemacht wird und aus dir die Schuldige, verliert man nicht nur Vertrauen, sondern irgendwann auch ein Stück von sich selbst“, so die 33-Jährige.
Kurz danach legte sie mit einem zutiefst persönlichen Statement nach: „Ich selbst weiß, wie sich psychische, häusliche, sexualisierte, digitale und strukturelle Gewalt im engsten persönlichen Umfeld anfühlen.“ Engels beschreibt darin das Gefühl, die eigene Identität zu verlieren, „wenn man die Wahrheit nicht aussprechen kann, weil man gelernt hat, dass Frauen viel zu oft nicht geglaubt wird und man dadurch irgendwann beginnt, sich selbst zu hinterfragen.“
Die Sängerin, die sich seit Jahren für die Sichtbarkeit von Frauen einsetzt, mahnt, dass Gewalt oft dort stattfindet, wo niemand sie vermutet. Ihr Fazit ist klar: „Die gefährlichsten Männer sind oft nicht die Fremden, denen man draußen begegnet, sondern die aus unserem engsten Umfeld.“ Abschließend zollt sie Fernandes Respekt für deren Mut: „Genau deshalb muss dieses Schweigen endlich gebrochen werden. Und ich habe den größten Respekt vor Collien Fernandes, dass sie genau dazu jetzt beiträgt und etwas in Bewegung setzt.“
„Einfach unvorstellbar“: Bill und Tom Kaulitz zeigen sich im Podcast erschüttert
Auch Bill und Tom Kaulitz äußern sich Ende März in ihrem Podcast zum Fall Collien Fernandes. Das Thema habe sie „wahnsinnig beschäftigt und aufgewühlt“. Bill meint: „Also ich war auf so vielen Ebenen davon schockiert, natürlich vor allem aber auch für sie als Privatperson.“
Bill beschreibt das Gefühl des totalen Verrats durch den eigenen Ehemann: „Ich hab das wirklich ein paar mal gelesen und bei jedem Mal habe ich mehrmals den Kopf geschüttelt und gedacht ‚wie bitte‘. Der eigene Mann zu Hause und dieser Verrat, dieser Betrug. Dieses Hintergehen und dann auch noch mit welchen Geschichten. Das ist auf so vielen Ebenen. Ich weiß gar nicht wo ich da anfangen soll. Das hat mich wirklich erschüttert.“ Besonders die verlorene Zeit macht Bill fassungslos. Er beschreibt, dass man oft glaube, jemanden wirklich zu kennen, bis sich das Gegenteil herausstelle. Es gehe um das Gefühl, dass einem „10 Jahre oder 15 Jahre eigentlich geklaut“ werden, da man diese Zeit mit einem Partner verbracht habe, den man im Grunde gar nicht kannte und der dich „zehn Jahre lang belogen, betrogen, hintergangen hat“.
Tom findet es zudem „wahnsinnig mutig“, wie gefasst Collien mit dem Thema an die Öffentlichkeit geht: „Der dir was antut, wo einem die Vokabeln fehlen, was du deinem schlimmsten Feind nicht antun würdest. Und das ist dann dein Ehemann. Das ist unvorstellbar, unvorstellbar [...] Es fehlen einem wirklich die Worte. Mein größter Respekt an Collien.“
Oliver Kalkofe kontert Kritik nach Statement zu Ulmen-Vorwürfen
Nach den schweren Anschuldigungen gegen Christian Ulmen hat sich Oliver Kalkofe deutlich positioniert – und dafür heftige Kritik einstecken müssen. In seinem Statement verurteilte Kalkofe insbesondere digitale Gewalt durch Deepfakes scharf. Diese seien „abscheulich, widerwärtig und ekelerregend“ und stellten einen „schwerwiegenden psychischen und emotionalen Missbrauch“ dar. Zudem betonte er: „Der virtuelle Missbrauch von Menschen (…) ist und war niemals ein Kavaliersdelikt.“
In den sozialen Netzwerken wurde Kalkofe daraufhin Heuchelei vorgeworfen. Einige Nutzer*innen kritisierten, er äußere sich selektiv oder nutze das Thema für Aufmerksamkeit. Kommentare reichten von Enttäuschung bis hin zu persönlichen Beleidigungen.
Der Komiker reagierte offensiv und erklärte, warum er sich bewusst zu diesem Fall geäußert habe: „Ein Statement zu einem Fall bedeutet nicht, dass ich zu allen anderen keine Meinung habe.“ Wer solche Kritik vermeiden wolle, müsse entweder „zu absolut allem“ Stellung beziehen oder „zu allem schweigen“ – „beides weder möglich noch wünschenswert“.
Mit Ironie konterte Kalkofe auf Instagram zudem in mehreren Posts die Angriffe gegen seine Person: Die Beschimpfungen perlten an ihm ab, schließlich sei er ja angeblich laut Kommentaren „eine fette, nur früher mal lustige Systemhure“. Doch er erntet nicht nur Kritik, sondern bekommt natürlich auch viel Zuspruch: „Danke an alle Männer, die jetzt Haltung zeigen! Nur so kann sich etwas ändern“ oder „Es gibt alte weiße Männer und es gibt Kalkofe! on Point“, lauten beispielsweise ein paar Kommentare unter dem Statement.
„jerks“-Kollege Fahri Yardim bezieht Stellung zu Christian Ulmen
Fahri Yardım, der mit Ulmen jahrelang das Duo in der Erfolgsserie „jerks“ bildete, äußerte sich in einer persönlichen Stellungnahme auf Instagram. Er beschrieb sich als „genauso geschockt wie viele andere“ und gab offen zu, dass die Enthüllungen „Abgründe im engen Freundeskreis“ offenbart hätten. Yardım zögerte bewusst mit seiner Reaktion, da er Zeit brauchte, um das Ausmaß der Schilderungen zu begreifen, betonte jedoch selbstkritisch, dass dieses Zögern „nicht neutral“ sei, da Schweigen oft Strukturen stütze, die Betroffenen den Schutz verweigern.
In seinem Statement stellte sich Yardım uneingeschränkt an die Seite von Collien Fernandes. Er bewundere ihren Mut, ihre persönliche Geschichte in eine Kraft für strukturelle Veränderungen zu übersetzen, und erklärte: „Opfern zu glauben, ist für mich eine grundlegende normative Haltung.“ Damit verliert Ulmen nicht nur seinen wichtigsten künstlerischen Mitstreiter, sondern auch die moralische Rückendeckung seines engsten Umfelds. Yardıms Distanzierung macht deutlich, dass eine Fortführung ihrer gemeinsamen Projekte unter diesen Vorwürfen kaum vorstellbar ist. Die Perspektive der Betroffenen habe für ihn nun „klare Priorität“.
Nach Spiegel-Interview – Christian Ulmens Anwalt Christian Schertz schaltet sich ein
Die juristische Antwort auf die schweren Vorwürfe ließ nicht lange auf sich warten. Nach der Veröffentlichung des Spiegel-Berichts am hat Christian Ulmen den prominenten Medienanwalt Christian Schertz eingeschaltet. Schertz ist in der Branche dafür bekannt, prominente Klient*innen in Krisensituationen mit aller Härte zu vertreten, so vertrat er unter anderem 2023 Till Lindemann in dessen medienrechtlichen Auseinandersetzungen. In einem Informationsschreiben bezeichnete die Kanzlei die aktuelle Berichterstattung über Ulmen als „rechtswidrig“ und kündigte rechtliche Schritte gegen das Magazin an.
Die Verteidigung wirft dem Spiegel vor: „Es handelt sich zum einen in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung. Zum anderen werden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet. Wir bitten daher unbedingt, die Persönlichkeitsrechte von Herrn Ulmen zu beachten und von einer Übernahme einseitiger Vorwürfe Abstand zu nehmen.“
Tatsächlich äußerte sich Christian Schertz schon in der Vergangenheit zum Thema Deefake-Pornos. In Collien Fernandes' ZDF-Dokumentation „Deepfake-Pornos: Jagd nach den Tätern“, die kurz vor Weihnachten 2024 veröffentlicht wurde, trat der Anwalt als Experte auf: „Wir müssen das Recht ändern, um den Schutz der Betroffenen zu verstärken“, sagte er hier. Seine Worte waren: „Das ist eine mediale Vergewaltigung.“
Konsequenzen für die Werbepartner: Shop Apotheke distanziert sich
Der Skandal zieht nun auch wirtschaftliche Kreise. Jahrelang waren Collien Fernandes und Christian Ulmen das prominente Gesicht der Shop Apotheke. In gemeinsamen Werbespots inszenierten sie das Bild des vertrauten Ehepaars. Doch nur wenige Stunden nach dem Spiegel-Bericht zog das Unternehmen die Reißleine: Die Werbung mit beiden Personen wurde mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Man wolle sich zu privaten Angelegenheiten nicht äußern, sehe sich aber aufgrund des „gegebenen Anlasses“ zum Handeln gezwungen, hieß es auf eine Nachfrage von RTL.
Was digitale Gewalt wirklich bedeutet
Wenn wir über den Fall Collien Fernandes sprechen, reden wir über digitale Gewalt. Doch was ist das eigentlich? Viele denken dabei nur an fiese Kommentare oder „Hate Speech“ im Netz. Doch die Realität ist viel düsterer. Digitale Gewalt bedeutet auch, dass Technologie – also Handys, Computer und das Internet – genutzt wird, um Menschen zu kontrollieren, zu demütigen oder sogar im schlimmsten Fall sozial zu vernichten.
Laut einer Studie des Bundeskriminalamts hat bereits jede fünfte Frau in Deutschland digitale Gewalt erlebt. Oft ist sie die direkte Fortsetzung von Gewalt in der echten Welt. Täter nutzt das Internet als Waffe, um das Opfer überallhin zu verfolgen – bis ins eigene Wohnzimmer. Das Perfide daran: Im Netz verbreitete Lügen oder Bilder lassen sich fast nie wieder ganz löschen. Für Betroffene fühlt sich das an wie eine öffentliche Hinrichtung, die niemals aufhört.
Was sind Deepfakes und wie lassen sie sich gesellschaftlich einordnen?
Deepfakes sind das wohl gefährlichste Werkzeug der digitalen Gewalt. Das Wort setzt sich aus „Deep Learning“ (einer Form von Künstlicher Intelligenz) und „Fake“ zusammen. Mit dieser Technik kann jeder – oft mit nur wenigen Klicks – das Gesicht einer Person täuschend echt auf den Körper einer anderen Person montieren. Im Fall von Collien Fernandes wurde diese Technik genutzt, um sie in erotischen Videos zu zeigen, die sie nie gedreht hat. Warum ist das so gefährlich?
- Keine Kontrolle: Man verliert die Macht über das eigene Gesicht und den eigenen Körper.
- Massive Verbreitung: Über 90 % aller Deepfakes im Internet sind unfreiwillige Filme, die fast ausschließlich Frauen betreffen.
- Die KI-Stimme: Mittlerweile können sogar Stimmen einfach geklont werden. Damit können Täter*innen unter falscher Identität telefonieren und so tun, als wären sie das Opfer.
- Deepfakes sind keine „Lappalie“ oder ein „technischer Spielplatz“. Sie sind ein massiver Eingriff in die intimsten Rechte eines Menschen. Da die Technik immer besser wird, ist es für Opfer fast unmöglich zu beweisen, dass sie nicht in dem Video zu sehen sind.
Warum der Prozess in Palma stattfindet
Dass der Rechtsstreit vor einem Gericht auf Mallorca und nicht in Deutschland ausgetragen wird, ist eine bewusste und strategische Entscheidung von Collien Fernandes. Das Ex-Paar lebte zuletzt seit einigen Jahren gemeinsam in einer Villa in einem Vorort von Palma, was zunächst die örtliche Zuständigkeit begründet. Doch vor allem bietet das spanische Rechtssystem einen Schutzraum, den es in Deutschland in dieser Form (noch) nicht gibt. Während digitale Gewalt in Deutschland oft als geringfügiges Delikt wie Beleidigung oder ein einfacher Verstoß gegen den Datenschutz gewertet wird, ist Spanien in diesem Bereich ein weltweiter Vorreiter.
In Spanien gibt es spezialisierte Gerichte, die sogenannten „Juzgados de Violencia sobre la Mujer“, die sich ausschließlich mit Gewalt gegen Frauen befassen. Hier wird digitale Gewalt – wie das Erstellen von Deepfakes oder Identitätsdiebstahl zur sexuellen Demütigung – als schwerwiegender Eingriff in die Freiheit und die körperliche Integrität behandelt. Ein entscheidender Vorteil ist die Schnelligkeit: Während Opfer in Deutschland oft Monate auf Kontaktverbote oder Schutzanordnungen warten, kann die spanische Justiz solche Maßnahmen innerhalb von 24 Stunden erlassen.
Wie ernst die Behörden dort die Vorwürfe nehmen, zeigte sich bereits im Januar 2023: Nach einem Vorfall, der ebenfalls im Spiegel thematisiert wurde, bei dem Collien aus einem Fenster um Hilfe gerufen haben soll, wurde Christian Ulmen umgehend vorläufig festgenommen. In Deutschland wäre ein solches Durchgreifen bei ähnlichen Vorwürfen weitaus seltener.
Laut Spiegel hat Collien Fernandes ihre Aussagen durch eine eidesstattliche Versicherung bekräftigt. Damit würde sie sich strafbar machen, falls sich ihre Angaben als falsch erweisen sollten.
Hilfe bei Deepfakes: Schnell & strukturiert handeln
Wer Opfer von KI-Fälschungen oder Fake-Profilen wird, muss sofort Beweise sichern. Erstelle vollständige Screenshots inklusive URLs, Kontonamen und Zeitstempel, bevor Inhalte gelöscht werden. Nur so ist eine spätere Strafanzeige (auch über die Onlinewache) erfolgversprechend.
Anschließend müssen die Inhalte verschwinden: Nutze die Meldefunktionen von Plattformen wie Instagram oder TikTok. Nach EU-Recht sind diese zur Löschung rechtswidriger Inhalte verpflichtet. Über Google lässt sich zudem ein „De-Indexing“ beantragen, um sensible Bilder aus den Suchergebnissen zu entfernen.
Niemand ist allein: Professionelle Hilfe bieten Organisationen wie HateAid (Beratung bei digitaler Gewalt), Juuuport (für Jugendliche) oder die Initiative „Anna Nackt“. Da KI Manipulationen massiv erleichtert, ist konsequentes Handeln der einzige Weg zum Schutz der eigenen Identität.
Lesetipp: Auch Kinder werden ständig Opfer von Deepfakes und Cyberkriminalität. Diese realen Gefahren haben Smartphones & Co. für Kinder.