11 Sätze, die dein Kind ein Leben lang prägen

Kinder zu loben und ihnen hilfreiches Feedback bei Fehlern zu geben ist wichtig. Dabei können einige Sätze das gesamte weitere Leben des Kindes prägen.

Erziehung ist nicht immer leicht – manchmal sind auch lieb gemeinte Sätze in die falsche Richtung prägend.
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Feedback ist bei der Erziehung von Kindern essentiell. Das ist sicherlich den meisten Menschen klar. Doch hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, welche Sätze sich lange im Kopf deines Kindes festsetzen können, ohne dass es deine Intention ist? Tatsächlich gibt es Sätze, die viele Menschen nur allzu schnell sagen, die sich gerade bei kleinen Kindern aber festsetzen. Diese Sätze sind prägend und leider häufig nicht im positiven Sinne. Diese Sätze prägen dein Kind ein Leben lang. Doch es gibt Alternativen!

Kinder brauchen Lob, doch nicht jedes Lob sendet die richtige Botschaft.
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#1 „Du bist so talentiert!“

„Du bist so talentiert!“ oder „Das kannst du so gut!“ Viele Eltern sagen diese Sätze in der Hoffnung, ihren Kindern positive und liebevolle Worte mitzugeben. Eltern möchten, dass ihre Kinder motiviert und selbstbewusst aufwachsen. Leider haben solche Sätze oft auch einen Haken: Denn während die Worte zwar nett gemeint sind, sind sie zum Teil auch limitierend. Kinder hören, dass sie talentiert sind, allerdings fehlt die Motivation zu wachsen. So kann es dazu kommen, dass Kinder denken, sie bräuchten sich nicht weiter anzustrengen. Das wiederum kann ihnen später im Leben auf die Füße fallen.

Kinder zu loben und gleichzeitig zu motivieren ist für das Wachstum wichtig!
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#2 „Das hast du toll gemacht! Beim nächsten Mal brauchst du wohl eine größere Herausforderung!“

Solche Sätze sind motivierend und eine großartige Alternative zum oben genannten „Du bist so talentiert!“ Warum? Sie loben dein Kind ebenfalls, geben allerdings die Botschaft mit, dass es immer noch Grund zum Wachstum gibt. Kinder bereiten sich automatisch auf eine neue Herausforderung vor. Sie verstehen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Gleichzeitig lernen sie auch, dass es immer noch etwas Neues zu lernen gibt. Dadurch sind und bleiben sie motiviert, auch in zukünftigen Herausforderungen Energie zu stecken. Solche frühen Erfahrungen sind positiv prägend!

Ehrliches Feedback muss sein – allerdings kann eine sanftere Formulierung sehr viel bewirken!
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#3 „Du bist durchgefallen.“

Ein Satz, den Kinder nicht nur von ihren Eltern hören, sondern auch von ihren Lehrkräften: „Du bist durchgefallen!“ Was sich für Erwachsene wie ehrliches Feedback anhört, kann für Kinder allerdings stark prägend sein. Die Botschaft dahinter lautet: „Du warst nicht gut genug.“ Oder auch „Du hast das Ziel nicht erreicht.“ Mit einem Wort: Versagen. Auch wenn der Test tatsächlich nicht bestanden wurde, ist die Art, wie eine Botschaft vermittelt wird gerade bei kleinen Kindern entscheidend. Besser sind Sätze, die Motivation vermitteln. Kinder kommunizieren nicht wie Erwachsene und oft setzen sich gerade vermeintliche „Kleinigkeiten“ in jungen Jahren fest.

„Noch“ ist entscheidend, wenn es darum geht, motivierend aber ehrlich zu sein.
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#4 „Du kannst den Lernstoff noch nicht anwenden.“

„Noch“ ist ein entscheidendes Schlagwort, das einen erheblichen Unterschied machen kann. Anstatt Kindern nur das Versagen zu vermitteln, gibt diese Botschaft Hoffnung. Sie besagt: „Du kannst es noch nicht, aber bald!“ Kinder nehmen bewusst und unbewusst auch kleine Veränderungen in der Wortwahl war. Ein Kind, das regelmäßig „noch“ hört, weiß, dass sich der Ist-Zustand jederzeit ändern kann. Insbesondere negative Nachrichten sollten daher möglichst mit diesem Zusatz vermittelt werden. Solche Aussagen können Kinder motivieren, da diese zeigen, dass Veränderungen machbar sind.

Für ehrliche Emotionen sollte in der Erziehung immer Platz sein.
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#5 „Hör auf zu weinen.“

Manche Kinder weinen schnell, viel und lange. Klar, dass das für Eltern häufig schwierig ist. Doch einem Kind zu sagen, dass es mit dem Weinen aufhören soll, ist keine gute Idee. Kinder lernen dadurch, dass ihren Emotionen kein Raum gegeben wird. Das kann nachhaltig prägen, dass sie im Erwachsenenalter Angst haben, ihre Emotionen zu zeigen. Anstatt Zuwendung erhalten Kinder in dem Moment nur noch Abweisung. Selbst Erwachsene empfinden es als hart, wenn ihnen solche Sätze entgegen geworfen werden. Doch für Kinder ist dies noch härter, da sie ihren Gefühlen oft nicht anders Ausdruck verleihen können.

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Kinder, die lernen, Gefühle zu zeigen, werden zu empathischeren und selbstbewussteren Erwachsenen.
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#6 „Es ist okay zu weinen. Was bedrückt dich? Ich höre dir zu.“

Wenn Kinder lernen, dass für ihre Emotionen Raum ist und ihnen in jeder Situation zugehört wird, schafft das Sicherheit. Kinder lernen schon früh, ob es sich sicher anfühlt, ihre Gefühle zu zeigen oder nicht. Wird ihnen Zeit, Geduld und Verständnis entgegengebracht, hat das große Wirkung. Kinder, die schon früh lernen, über ihre Gefühle zu reden und diese auch offen zu zeigen, haben später weniger Schwierigkeiten damit, ihre eigenen Emotionen zu kommunizieren. Sie wachsen zu Erwachsenen heran, die selbstbewusster und emotional stabiler sind.

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Kinder, die nur für bestimmte Noten gelobt werden, sind langfristig gestresst oder demotiviert.
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#7 „Super, dass du eine 1 geschrieben hast!“

Komplimente und Lob sind toll, doch viele Eltern – und auch Lehrerinnen und Lehrer – loben meistens nur die guten Noten. Obwohl Kinder sich in solchen Momenten über das Lob freuen, kann es langfristig eine falsche Botschaft senden. Der Fokus wird auf eine bestimmte und gute Note gelegt, anstatt auf Bemühungen und Verbesserungen. Kinder nehmen so unbewusst wahr, dass das Endergebnis mehr zählt, als wie groß die Verbesserung oder die Anstrengung war. Auf Dauer kann dies das Kind eher demotivieren als motivieren. 

Verbesserungen würdigen – das unterstützt die langfristige Motivation, zu wachsen und zu lernen!
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#8 „Sehr gut, du hast dich verbessert!“

Verbesserungen und Anstrengungen sollten gelobt werden – mehr als die Endnote. Kinder, die Sätze wie „Sehr gut, du hast dich verbessert!“ häufiger hören, merken, dass sie unterstützt werden. Sie werden für ihre Handlungen und den Schritt nach vorne gelobt. Unbewusst wissen sie dadurch beim nächsten Mal, dass auch der Sprung von Note 4 auf 3 genauso wertvoll wie der von 3 auf 2 oder von 2 auf 1 ist. Sie werden eher motoviert, regelmäßig ihr Bestes zu geben. Schließlich wissen sie, dass es den Eltern auf kleine Schritte vorwärts ankommt, nicht darauf, dass im Zeugnis überall Einsen und Zweien stehen.

Wenn Kinder denken, dass ihnen ein Fach einfach „nicht liegt“ demotiviert das langfristig.
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#9 „Jeder hat andere Talente, versuche einfach dein Bestes.“

Eltern sagen häufig Sätze wie „Jeder hat andere Talente, versuche einfach dein Bestes“ sehr wohlwollend. Sie denken, dass es Kinder motiviert, ihr Bestes zu geben und möchten Leistungsdruck vermeiden. Leider sind auch solche gut gemeinten Botschaften nicht immer wirkungsvoll. Kinder, die Sätze wie „Jeder hat andere Talente“ oder „Nicht jeder ist gut in Mathe“ hören, denken schnell, dass ihnen manche Gebiete einfach nicht liegen. Sie erhalten unbewusst die Botschaft, dass manche Menschen Talente für gewisse Fächer haben und andere nicht – und dass sich daran auch nicht viel machen lässt.

Oft bedeutet Motivation zu geben, eine ehrliche Balance zwischen ehrlichem Feedback und positiven Worten zu finden.
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#10 „Du bist sehr gut in ... aber in ... hast du noch nicht erreicht, was für dieses Jahr Ziel ist.“

Lob und Kritik gemeinsam wirken motivierender als Kritik allein. Sätze wie „Du bist sehr gut in ... aber in ... hast du noch nicht erreicht, was für dieses Jahr Ziel ist“, sind gute Alternativen zum oben genannten Feedbakc über Talente. Sie loben und sagen außerdem, dass Verbesserung auch in anderen Bereichen noch möglich ist. Anstatt auf Talente zu setzen, lernen Kinder mit solchen Aussagen, dass sie überall dazu lernen können. Sie lernen also, dass sie auch in Fächern, die ihnen schwer fallen, Aufstiegschancen haben. Das motiviert und schafft auf lange Sicht Selbstvertrauen. Kinder, die so aufwachsen, trauen sich in der Regel auch im Erwachsenenalter mehr zu.

Wenn Kinder lernen, dass sie sich selbst vertrauen können und ihre Meinung wichtig ist, bewirkt das viel!
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#11 „Du kannst stolz auf dich sein!“

„Ich bin stolz auf dich!“ Diesen Satz hört jede*r gerne. Auch Kinder freuen sich über diese Aussagen ihrer Eltern oder auch Lehrkräfte. Noch besser ist der Satz „Du kannst stolz auf dich sein!“ Du fragst dich, warum? Kinder lernen dadurch, dass ihre eigene Meinung zählt. Sie erwarten Lob und Wertschätzung nicht nur von außen. Anstatt ständig auf das Lob anderer angewiesen zu sein, schätzen diese Menschen ihre eigenen Leistungen unabhängig vom Feedback anderer. Kaum etwas stärkt echtes Selbstbewusstsein mehr!

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