Sind Paare glücklicher, die in getrennten Wohnungen leben?

Living apart together - der neue Trend

Ein Paar, dass auf diesem Foto sich in der Küche wohl gestritten hat.

Ein modernes Modell von Beziehungen wird als "Living apart together" (LAT) bezeichnet, was so viel bedeutet, wie getrennt leben und zusammen sein. Früher war es ganz klar, dass man ein Paar wird, zusammenzieht, heiratet, Kinder kriegt. Heutzutage gibt es da viele Alternativen und individuelle Möglichkeiten, um seine Partnerschaft auszuleben. Wer als Paar zusammenzieht, hat vielleicht das Gefühl, dass dies viel Streit und Diskussionen mit sich bringen könnte, man hat plötzlich gar keinen Freiraum mehr. 

Aber ist das so? Und sind Paare, die zusammen sind, aber getrennt leben vielleicht glücklicher? Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat einige Aspekte untersucht und Psychologe Wolfgang Krüger klär die Ergebnisse auf. 

Solltet ihr also mit eurem Partner zusammenziehen? 

Hier ist ein Paar zu sehen, welches sich am Tisch streitet.

Beziehungskiller: Alltag

Man zieht zusammen und plötzlich hat man das Gefühl, man selbst macht viel mehr im Haushalt und der Partner lässt seine Sachen einfach liegen. Die Fragen kommen auf: Wer kümmert sich um das dreckige Geschirr? Wer um die Wäsche? Wer saugt? 

Die Aufgaben sollten gut verteilt sein, damit sich jeder wohlfühlt. Wer in getrennten Wohnungen lebt, hat zwar den Vorteil, dass er sich um solche alltäglichen Dinge nicht streiten muss, aber eben auch den Nachteil, dass man diese bewusste Kompromiss- und Streitfähigkeit nicht lernt, die ein Paar auch durchaus mit der Zeit stärken kann. 

Wenn man den Alltag nicht "gezwungenermaßen" zusammen verbringt, hat das einen weiteren Vorteil, man verabredet sich auch bewusst. Aber ist das nur positiv?

Ein Pärchen, dass auf einem Date zu sein scheint.

Wolfgang Krüger stellt zwar fest, dass solche abgesprochenen Treffen durchaus etwas Spannendes und Aufregendes an sich haben können, denn der "Dating-Charakter" bleibt somit auch in der Beziehung bestehen, aber die Verabredungen wirken dadurch auf eine gewisse Weise immer gestellt. 

Dem Paar könnte eine gewisse Vertrautheit fernbleiben, die ein gemeinsames Wohnen automatisch mit sich bringt. Doch das kann anstrengend sein. Wer nicht zusammenlebt, entscheidet, wann er seinen Partner sehen möchte und wann er sich vielleicht nicht danach fühlt. 

Wenn man zusammen wohnt, sollte also für jeden die Möglichkeit des Alleinseins und des Rückzugs bestehen bleiben. Interessant ist, dass laut der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung 50% der LAT-Paare nach etwa 6 Jahren zerbrochen sind. Ist das Zusammenleben also doch irgendwie ein Muss?

Ein glückliches und lebensfrohes Paar.

Kompromiss

Bei Beziehungen sollte es nie ein Muss geben. Letztendlich bleibt es immer eine Frage, was beide Partner möchten und wie sich die Beziehung entwickelt. Wichtig ist vielleicht, dass man im Kopf behält, dass es auch in Ordnung ist, wenn man nicht in einer gemeinsamen Wohnung lebt oder vielleicht erstmal in einer Wohnung mit zwei getrennten Schlafzimmern. 

Ein interessanter Fakt, den wir euch nicht vorenthalten wollen, ist allerdings, dass Männer laut der Studie schneller den Wunsch nach einer gemeinsamen Wohnung verspüren als Frauen. 

Trotz allem sollte man vernünftig drüber sprechen und herausfinden und ausprobieren, was der Partnerschaft gut tut.