Deutsche Stars, die sich politisch gegen rechts positionieren
Von Helene Fischer bis Toni Kroos: Diese Promis zeigen Haltung und beziehen eine klare Kante gegen rechts. Für sie geht es in Deutschland nicht so weiter.
Wer Reichweite hat, hat auch Einfluss – und genau den nutzen gerade immer mehr Promis für eine klare Haltung. Das ist nicht immer gemütlich, bringt oft harte Kritik im Netz ein, setzt aber ein wichtiges Zeichen. Das sind die deutschen Stars, die sich gegen rechts positionieren:
#1 Hape Kerkeling
Mitte Juni 2026 sprach Hape Kerkeling im Podcast zum CSD in Leipzig über Hass im Netz, queere Rechte und seine Haltung gegen rechts. Der 61-jährige Komiker und Autor sagte: „Theoretisch wurde ich im Netz schon gelyncht für all das, was ich gesagt habe.“ Besonders seit er sich offen gegen rechts positioniert, bekomme er heftige Reaktionen. Sein Eindruck: „Da tobt wirklich ein Stellvertreterbürgerkrieg, den wir Gott sei Dank auf den Straßen noch nicht ausfechten.“
Kerkeling war 2026 Botschafter des CSD in Leipzig und im brandenburgischen Golßen. Für ihn ist der CSD nicht nur Party, sondern auch ein fortwährender Kampf um Bürgerrechte. „Wir müssen deutlich sagen – alle miteinander, die Mehrheitsgesellschaft – dass wir Vielfalt wollen.“ Außerdem spricht er sich dafür aus, die Rechte queerer Menschen stärker im Grundgesetz zu verankern.
Diese klare Haltung führte zu einer Online-Petition, die den Komiker und Autor als Bundespräsidenten fordert und bis Oktober 2026 über 150.000 Unterstützer*innen fand. Im Spiegel zeigte sich Kerkeling von der Initiative bewegt und begründete, warum er sie nicht bremste: „Dass da jemand eine Petition startet und die Idee hat, eine queere Person soll Staatsoberhaupt werden – das wollte ich nicht unterbinden.“ Auf die Petition angesprochen, antwortete er klar: „Ja, das traue ich mir zu.“ Für ihn liegt die Bedeutung der Petition allerdings weniger im Ergebnis, sondern vielmehr darin, eine für die Demokratie heilsame Diskussion zu entfachen.
#2 Markus Lanz
Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in Köln im September 2026 ging es nicht nur um Serien, Shows und Stars. Viele Preisträger*innen nutzten ihre Dankesreden für politische Botschaften. Markus Lanz wurde für seine ZDF-Talkshow in der Kategorie „Beste Information“ ausgezeichnet – und richtete sich mit einem klaren Appell ans Publikum: „Ich erlebe gerade so viele Leute, die sehr unsicher sind, die teils Angst haben“, erklärte Lanz. „Ich will deutlich sagen: Wir wandern nicht aus. Wir stehen da.“ Er appellierte „fürchtet euch nicht!“ und gab ein Versprechen an die Zuschauer*innen: „Das, was jetzt gerade kaputtgeht, bauen wir irgendwann ganz lässig einfach wieder auf.“
Auch in der Vergangenheit positionierte sich der Moderator konsequent gegen die AfD – nicht durch klassische Statements, sondern durch eine betont harte, konfrontative Gesprächsführung. In seinem Podcast Lanz & Precht kritisierte er im August 2026 etwa das AfD-Landtagswahlprogramm scharf und entlarvte Kernforderungen wie ein „Babybegrüßungsgeld“ als verfassungswidrig. Den Vorwurf, seine Talkshow spalte die Gesellschaft, wies er im Zeit-Interview zurück: „Ist es spalterisch, wenn ich auf Missstände hinweise und kritisch nachfrage?“
Beim Umgang mit AfD-Gästen plädiert der 57-Jährige für einen professionellen Dialog. Dass er Politiker der Partei nach der Sendung in seine Garderobe einlädt, begründet er pragmatisch: „Ja, natürlich. Wir begegnen uns doch weiterhin als Menschen!“ Dass man ihnen teilweise nicht einmal die Hand gebe, befremde ihn: „Wir sind doch Journalisten! Wir reden erst einmal mit jedem.“
Zugleich nimmt Lanz die Medien in die Pflicht. Man müsse hinterfragen, „wo haben wir [die Medien] versagt?“ – etwa bei Verteilungskämpfen um Wohnraum oder Jobs. Seine Unabhängigkeit betont er dabei klar: „Es gibt niemanden im ZDF, der ‚Positionen‘ vorgibt“.
#3 Helene Fischer
Helene Fischer hat sich sowohl 2018 als auch 2024 klar gegen rechts und für gesellschaftlichen Zusammenhalt positioniert. 2018 schrieb sie vor ihren Nachholkonzerten in Berlin auf Facebook: „Wir können und dürfen nicht ausblenden, was zur Zeit in unserem Land passiert, doch wir können zum Glück auch sehen, wie groß der Zusammenhalt gleichzeitig ist – das sollte uns stolz machen“. Dazu ergänzte sie: „Musik als Zeichen der Verbundenheit und immer ist es Liebe, die gewinnt.“ Ihren Post versah sie mit dem Hashtag #wirsindmehr, der durch das Konzert gegen rechts in Chemnitz bekannt geworden war.
In der stern-Ausgabe vom Februar 2024 wurde Fischer erneut deutlich. Dort schrieb sie: „Wir müssen unsere Werte und unsere Demokratie jetzt verteidigen und dürfen das Feld nicht den Antidemokraten überlassen … Tut das Richtige, geht zur Wahl! Für die Demokratie und gegen die Extremisten.“ Damit stellte sich die Sängerin gegen politischen Extremismus und rief ihre Fans dazu auf, demokratische Werte nicht nur zu unterstützen, sondern aktiv zu verteidigen.
#4 Ruth Moschner
Ende August 2026 positioniert sich Ruth Moschner auf Instagram klar gegen die AfD. Die Moderatorin und Schauspielerin richtet sich besonders an finanziell gut gestellte Menschen – und dreht die übliche Argumentation bewusst um: „Wenn du Menschen wie mich ärgern möchtest – wähl nicht die AfD!“
Moschner schreibt, mehrere AfD-Forderungen könnten ihr persönlich Geld sparen. Bei Steuersenkungen für Besserverdienende rechnet sie vor: „Ich würde dadurch mindestens 20.000 Euro pro Jahr weniger Steuern zahlen.“ Auch bei Immobilien, Energiepolitik und privater Altersvorsorge sieht sie Vorteile für sich. Ihr bitterer Kommentar dazu: „Die AfD liebt Menschen wie mich!“
Gerade deshalb warnt sie davor, Politik nur nach dem eigenen Kontostand zu bewerten. Der Beitrag bekommt zusätzliche Schwere durch Moschners Familiengeschichte. Über ihre jüdischen Wurzeln schrieb sie früher: „In meiner Familie war die jüdische Abstammung ein absolutes Tabu“. Die Erinnerung an Verfolgung und Flucht mache sie sensibel: „Das Bewusstsein über die vielen Verluste meiner Familie in den Konzentrationslagern, die Reise auf überfüllten Schiffen nach Haifa und die Migration in andere Länder machen mich natürlich sensibel für solche Themen“.
Bei Maybrit Illner diskutierten die Gäst*innen am Donnerstagabend, 3. September 2026, wenige Tage vor der Wahl in Sachsen-Anhalt über die Brandmauer zur AfD. Besonders deutlich wurde Moderatorin Ruth Moschner, die der Forderung nach Gesprächen mit der AfD klar widersprach:
„Die AfD verarscht die Wähler. Das, was die Wähler von der AfD wollen, ist: bezahlbare Mieten, eine gute Rente, einen besseren Lohn, dass einfach am Ende des Monats ein bisschen mehr Kohle bleibt, eine bessere Infrastruktur und so weiter und so fort. Das würde die AfD ja gar nicht schaffen. Wenn man in das Wahlprogramm reinguckt, ist das eine Partei für Reiche“ (...)
Lesetipp: Raum für Debatten: Klima, Krisen, politische Haltung & Co.
#5 Roland Kaiser
Auch Roland Kaiser positioniert sich klar gegen rechts – und äußert sich auch zum Gendern. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung sagt er: „Es gibt eben nicht nur Mann und Frau. Punkt. Menschen sind offensichtlich vielschichtiger und haben entsprechend vielschichtige Gefühle und Bedürfnisse – und die müssen wir zulassen. Auch sprachlich.“
Entscheidend sei für ihn der Respekt vor anderen Lebensentwürfen: „Ich war immer überzeugt, dass die Freiheit eines Menschen erst dort endet, wo die Freiheit eines anderen beginnt. Warum sollte es mich eigentlich stören, wenn sich jemand als dieses oder jenes identifiziert? Ist mir doch egal. Jeder Jeck ist anders. Ende des Berichts“.
Auch politisch bleibt Kaiser deutlich. In der Vergangenheit stellte er sich mehrfach gegen rechte Demos und die AfD, besonders in Dresden. Dazu sagte er: „Ich hatte das Gefühl, dass man das Bild, das eine laute Minderheit geprägt hat, korrigieren muss. Zugunsten der schweigenden Mehrheit.“
#6 Farin Urlaub
Bei einem dpa-Interview zur Veröffentlichung seines Soloalbums „Ein Lächeln im Gesicht“ Anfang September 2026 sprach Ärzte-Sänger Farin Urlaub über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag, 6. September 2026.
Besonders die Umfragewerte der AfD machen dem 62-Jährigen Sorgen. Auf die Frage, wie er auf die Wahl blickt, antwortete Urlaub: „Wie alle Leute, die gerne in einem demokratischen, weltoffenen, freien Land leben würden – voller Bestürzung.“ Der Musiker zeigte sich vor allem über das Programm der Partei alarmiert: „Jetzt wissen wir ja auch, was die AfD vorhat. Sie will in der Schule anfangen – das haben die Nazis damals auch gemacht. Die Kirchen sollen als nicht-staatliche Freiräume mehr oder weniger aufhören zu existieren. Schon befremdlich.“
Noch stärker beschäftige ihn aber, dass Menschen dieses Programm lesen und trotzdem zu dem Schluss kommen, die AfD wählen zu wollen. Sein bitteres Fazit: „Da haben wir doch als Land komplett versagt“.
#7 Udo Lindenberg
Vor allem Anfang April 2025 zeigt sich Udo Lindenberg im stern ungewöhnlich nachdenklich. Der 80-jährige Rockmusiker und Maler, seit Jahrzehnten politisch laut und pazifistisch geprägt, blickt mit Sorge auf Ukraine-Krieg, Donald Trumps zweite Amtszeit und die Debatte über deutsche Aufrüstung.
In den Achtzigern sei man noch „gegen die ganzen Scheißraketen“ auf die Straße gegangen. Die Lage wirke für ihn anders: „In dieser verirrten Schwachmaten-Welt stellt man sich plötzlich die bange Frage: Müssen wir umdenken? Brauchen wir jetzt doch 'n starkes Militär?“ Diese Frage tue seiner „Pazifistenseele sehr weh“.
Auch Trump attackiert Lindenberg scharf. Dessen Dekrete nennt er „üble Ausscheidungen von irgendeiner geistigen Seuche. Derbe abtörnend, das ganze Ding.“ Aufgeben will er trotzdem nicht: „Wir dürfen doch die nächste Generation nicht hängen lassen.“
Klare Kante zeigt der Musiker auch gegenüber rechten Konzertbesucher*innen. Bei „erklärten Nazis“ gebe es „nix zu reden“. Bei anderen müsse man versuchen, sie „auch mit guten Songs und smarten Texten“ wieder zu erreichen.
#8 Campino / Die Toten Hosen
Bei Konzerten der „Toten Hosen“ Ende August 2026 wurde es politisch deutlich. Frontmann Campino sprach über den Rechtsruck in Deutschland und griff die AfD scharf an. Zwar versammle die Partei in Ostdeutschland viele Menschen hinter sich, so der Sänger. Entscheidend sei für ihn aber die Mehrheit dagegen: „Aber 60 Prozent wollen sie [Menschen in Sachsen-Anhalt] verdammt noch mal nicht.“
Dann zog Campino den historischen Vergleich: Wer heute AfD wähle, unterstütze eine neofaschistische Partei. „Und wer das jetzt tut, der hätte Anfang der 1930er-Jahre wahrscheinlich die NSDAP gewählt.“ Falls diese Entwicklung „fürchterlich vor die Wand gefahren wird“, wolle er später kein Jammern hören.
Kritik, die Band habe als erfolgreiche Millionäre den Bezug zur Realität verloren, wies Campino ebenfalls zurück: „Unsere Kernaussagen, gerade in Sachen Politik, haben wir schon erzählt, als wir noch in besetzten Häusern gespielt haben.“ Solche Diskreditierungsversuche interessierten ihn „einen Scheißdreck“.
#9 Florian David Fitz
2024 spricht auch Florian David Fitz im RND-Interview über Rechtsextremismus, gesellschaftliche Überforderung und seine Netflix-Serie „Das Signal“. Der 51-jährige Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur sieht in der Serie auch einen politischen Kern: „Die Geschichte ist ein Kreis“, sagt seine Figur darin.
Mit Blick auf erstarkende Rechte fragt Fitz, „ob wir einfach nichts aus der Geschichte lernen“. Besonders beunruhigt ihn, wie schnell demokratische Grundwerte unter Druck geraten können. Nach seinem Aufruf im stern gegen Rechtsextremismus sagt er: „Wir müssen uns aber dafür wappnen, unsere Verfassung zu schützen.“
Die großen Demonstrationen gegen rechts wertet Fitz auch als Zeichen der gesellschaftlichen Mitte: „Wir sind übrigens noch da. Es gibt eine große Mitte in diesem Land.“ Zugleich warnt er vor einfachen Antworten: „Viele fordern zurzeit einfache Lösungen.“ Politik sei kein Geschäft, bei dem Bürger*innen etwas bestellen und Politiker*innen liefern müssten.
Auch privat habe sich sein Blick verändert: „Ich bin viel empfindlicher geworden, seitdem ich selbst Kinder habe.“
#10 Dieter Hallervorden
Erst Anfang August 2026 sorgt Dieter Hallervorden im CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt weiter für Diskussionen. Der Komiker unterstützt Ministerpräsident Sven Schulze, grenzt sich im Podcast Sachsen-Anhalt aktuell aber klar von der Bundes-CDU ab: „Es ist doch klar, dass ich für die CDU bundesweit nicht Reklame machen würde.“ Seine Werbung gelte Schulze „als Menschen“, nicht der Partei.
Im Podcast attackiert Hallervorden zudem die AfD. Er verachte deren Kräfte, „weil sie unsere Gesellschaft spalten, Menschen gegeneinander aufhetzen und das Vertrauen in unsere Demokratie einfach untergraben.“ Die mögliche Stärke der Partei in Sachsen-Anhalt habe ihn zu seiner Wahlempfehlung gegen eine AfD-Mehrheit bewegt. Bei einem Wahlsieg der Partei wolle er Sachsen-Anhalt nicht verlassen: „Ich werde da bleiben und werde aktiv weiterkämpfen für Freiheit.“
#11 Michael „Bully“ Herbig
Michael „Bully“ Herbig gehört zu den vielen Prominenten, die sich ebenfalls öffentlich gegen Rechtsextremismus positionieren. In der Aktion des stern-Magazins zeigt auch er politische Haltung gegen den steigenden Rechtsruck.
Der Regisseur und Comedian richtet den Blick dabei auf die deutsche Geschichte. Er erinnert an die Reichstagswahl im Juli 1932, bei der die NSDAP mehr als 37 Prozent der Stimmen erhielt. Herbig sagt dazu: „Bei den Wahlen im Juli 1932 gaben mehr als 37 Prozent der Bevölkerung in freien Wahlen ihre Stimme der NSDAP. Ich habe mich immer gefragt, wie so eine Sch***ße passieren konnte.“