Die Mutterglücklüge: Wie es ist zu bereuen, ein Kind bekommen zu haben

"Ich hasse mein Kind auch, denn es hat mein Leben zerstört"

Die Mutterglücklüge: Wie es ist zu bereuen, ein Kind bekommen zu haben

Sarah Fischer ist 42 Jahre alt und hat eine drei jährige Tochter. Doch anstatt ihr Babyglück zu genießen, so wie scheinbar alle anderen Frauen in ihrem Umfeld, bereut sie es, Mutter geworden zu sein und vermisst all die Dinge, die sie als Mutter nicht mehr machen kann. Der Verlust ihrer Selbstständigkeit, die Belastung für die Beziehung zu ihrem Mann und die Tatsache, dass jede noch so kleine Tätigkeit doppelt oder gar dreifach so viel Zeit in Anspruch nimmt. All das sind Dinge, die sie in ihrem alltäglichen Leben als Mama belasten. All das gesammelte Leid schrieb die Münchenerin nieder. Ziemlich viel Mut gehört dazu, wie wir finden...

Die Mutterglücklüge: Wie es ist zu bereuen, ein Kind bekommen zu haben

"Regretting Motherhood" ist kein allzu seltenes Phänomen. So beschrieb die Soziologin Elisabeth Gernsheim einst einige Mütter mit den Worten "Ich liebe mein Kind und würde mich vor einen LKW werfen, um sein Leben zu retten. Aber ich hasse mein Kind auch, denn es hat mein Leben zerstört."Als Sarah Fischer mit 39 Jahren schwanger wurde, hatte sie kaum mehr damit gerechnet. Doch die Freude bei ihr und ihrem Partner war riesig. Sie nahm sich vor, die Schwangerschaft und auch das Muttersein ganz entspannt anzugehen. Doch die Umstände  machten es ihr immer schwerer, die Tatsache mit all ihren Konsequenzen zu genießen, nun Mama eines Kindes zu sein. Sarah war beruflich äußerst erfolgreich, verdiente gutes Geld und war stets unabhängig. Sie reiste aus beruflichen Gründen um die Welt und erkundete Orte, die bisher wenige sahen. Erst als sie Mutter war, wurde ihr klar, dass es unmöglich ist, auf die gleiche Weise weiter zu machen. Sarah kann ihr Kind nicht überall mit hinnehmen. 

Viele Mütter sagen in solchen Situationen, das allein der Blick in die leuchtendenden Babyaugen des eigenen Kindes alles wieder gut machen. Doch bei Sarah war das anders. Viel zu deutlich waren ihr die Entbehrungen als Mutter. "Mütter zahlen mit Lebenszeit, Karriereaus, Schlafmangel,  Freiheit, Inkontinenz, Gewichtszunahme, Nervenkostümdurchlöcherung, Langeweile, Dehnungsstreifen, Depressionen, Romantikverlust, Unterforderung, Burn-Out, Sexverlust und so weiter. Manche Mutter geht als Frau dabei drauf", so Sarah Fischer in ihrem Buch. Auch der Versuch ein Mittelweg zu finden - Job und Kind unter einen Hut zu bringen - scheiterte für Sarah. Der Versuch als Festangestellte im Halbtagsjob funktionierte für Sarah nicht. Die Bemühungen, mit ihren kinderlosen Kollegen mitzuhalten, endeten mit einem Burnout, das die Mutter für Monate handlungsunfähig machte. Jede Frau hört irgendwann unweigerlich die sogenannte biologische Uhr ticken. Kind ja, oder nein? All unsere Freunde und Kollegen werden Eltern, muss einem dann selbst nicht auch was fehlen? In manchen Fällen lautet die Antwort "nein". Wenn sich eine Frau dennoch für ein Baby entscheidet, ist die Erkenntnis, darin den Lebenssinn nicht gefunden zu haben, äußerst schmerzhaft. Umso mutiger, das Frauen wie Sarah darüber in der Öffentlichkeit sprechen.