Orthorexie: Wenn gesundes Essen zum Zwang wird

So erkennst du, ob du betroffen bist

Keine verarbeiteten Lebensmittel, keine Milch, Gluten verklebt den Magen und alles Obst und Gemüse sollte Bio sein, am besten auch aus dem eigenen Garten. Menschen, die penibel auf ihre gesunde Ernährung achten, erscheinen zwanghaft. Aber ist das eine wirkliche Krankheit?

Orthorexie: Wenn gesundes Essen zum Zwang wird
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Gesundes Essen im Vordergrund

Erst kürzlich warnte die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie davor, dass Menschen von gesundem Essen besessen sein könnten. Bei ihnen beherrscht die gesunde Ernährung die Gedanken – Kalorienzählen, ein strikter Ernährungsplan, nur bestimmte Produkte – das Ganze nennt sich in der Fachsprache dann Orthorexie.

Orthorektiker haben eine gestörte Wahrnehmung zu Essen und teilweise ein verzerrtes Bild davon, was ungesundes Essen im Körper anrichten kann. So gehen einige davon aus, dass Gluten den Körper von innen verkleben könne.

Viele meiden daraufhin wichtige Grundnahrungsmittel, wodurch gefährliche Mangelerscheinungen auftreten. Aber auch die sozialen Beziehungen  können unter der Obsession leiden: Die Betroffenen ziehen sich immer mehr in ihre eigene Welt zurück, Essensverabredungen werden gemieden. 

Wer ist gefährdet?

Veganer, die sich nur deshalb vegan ernähren, weil sie das Krankheitsrisiko verringern und schlank werden möchten, sind nicht immer, aber immerhin teilweise gefährdet, in eine Orthorexie abzurutschen. Philosophisch-moralische Veganer, die aus Gründen des Tierschutzes auf tierische Produkte verzichten, zählen nicht dazu.

Ein bis zwei Prozent der Menschen sollen an Orthorexie und damit dem Zwang, sich gesund zu ernähren, leiden. Häufig sind Frauen betroffen. Bei einigen sind die zwanghaft erscheinenden Ernährungsgewohnheiten auch mit einem verzerrten Körperbild verknüpft. Wenn die Betroffenen einmal etwas essen, was ihrer Ansicht nicht so gesund ist, entstehen oftmals große Schuldgefühle.

Eine Form der Magersucht?

Deshalb gehen Ernährungswissenschaftler bei einigen Betroffenen auch von einer Kopplung von Orthorexie und Anorexie aus, da die gesunde Ernährung und der Wunsch, immer dünner zu werden, im Mittelpunkt stehen.

Häufig gestehen sich die Betroffenen jedoch nur eine Erkrankung ein, wenn sie an extremen Mangelerscheinungen leiden. Therapeuten und Psychologen können bei der Bewältigung einer Orthorexie helfen.