Sollte eine Frau bei der Hochzeit den Namen ihres Mannes annehmen?

Ja oder Nein?!

Sollte eine Frau bei der Hochzeit den Namen ihres Mannes annehmen?

Verliebt, verlobt, verheiratet. Und dann den Namen des Mannes annehmen? Immerhin tun dies 80 Prozent der deutschen Frauen. Was oft genug noch selbstverständlich scheint, ist für einige Frauen jedoch unvorstellbar. Was genau bedeutet es, wenn man seinen Namen abgibt?

Sollte eine Frau bei der Hochzeit den Namen ihres Mannes annehmen?

Individualität und Identität

Selbstaufgabe, Identitätsverlust, Unterwerfung, Gleichgültigkeit oder Liebe? Es gibt verschiedene Gründe, welchen Namen wir nach unserer Hochzeit tragen. “Der Geburtsname eines Menschen ist Ausdruck der Individualität und Identität”, stellte 1991 das Bundesverfassungsgericht fest und öffnet damit die freie Namenswahl.

Den Namen des Mannes annehmen, Doppelnamen wählen oder den eigenen Nachnamen behalten, sind die resultierenden Möglichkeiten. Damit reiht sich das Namensrecht in jene feministischen Errungenschaften, die früher nicht selbstverständlich waren.

Sollte eine Frau bei der Hochzeit den Namen ihres Mannes annehmen?

Frauen und Männer sind gleichberechtigt

Zur Erinnerung: Mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau im Jahr 1957 durften Ehefrauen ihren Nachnamen per Bindestrich hinzufügen. Seit 1976, dem Höhepunkt der Frauenbewegung, können sich beide Ehepartner auch für ihre jeweiligen Namen entscheiden. Im Streitfall wurde jedoch wieder zugunsten des Mannes entschieden. Mit dem Fakt, dass “beide Namen prinzipiell gleichwertig [sind], so wie die Personen, die sie führen”, erkämpften sich nicht nur Frauenrechtlerinnen im “Interessenverband Namensrecht” ihr individuelles Namensrecht zurück.

Die Patchwork-Familien-Wilder-Westen

Heute ist vor allem bei Patchwork-Familien oft Wilder Westen bei der Entscheidung des Familiennamens angesagt. Endlose “Bindestrich-Ungetüme” und damit zu viel der Selbstverwirklichung sind jedoch rechtlich nicht mehr erlaubt.

Sollte eine Frau bei der Hochzeit den Namen ihres Mannes annehmen?

Rollenklischees oder Liebe?

Ein polit-prominentes Beispiel bestätigt den Frauentrend: Während die Süddeutsche Zeitung festhält, dass die damals jüngste Familienministerin (2009-2013) Kristina Schröder, geb. Köhler, die “einzige Ministerin in der Geschichte der Bundesrepublik [ist], die in ihrer Amtszeit ihren Namen änderte”, titulierte das Magazin Bunte diesen Schachzug unmissverständlich auf ihrem Cover mit “Für ihn.”

Wie zu erwarten, wagte es die Zeitschrift Emma, die Namenannahme des ihr damals beruflich unterstellten Ehemannes Ole Schröder als Kompensation für “schwächelnde männliche Machtfülle in Gesellschaft und Beziehung” zur Diskussion zu stellen. Zudem nennt die Emma-Autorin die immer noch existierende Wichtigkeit des Mannes in der “Außendarstellung weiterhin als Familienoberhaupt” agieren zu können. An realen Rollenbilder kann auch der Name leider nichts ändern.

Sollte eine Frau bei der Hochzeit den Namen ihres Mannes annehmen?

Leben und leben lassen

Egal, ob konservative Werte, emanzipierte Entscheidungen für den eigenen Mädchennamen oder Liebe hinter der Namenswahl stehen: Wichtig bleibt, dass beide Partner, hetero- oder homosexuell, sich wohl fühlen. Und das sollte in einer aufgeklärten, toleranten Gesellschaft möglich sein. Am besten ein Leben lang.