Abtreibung: Das passiert & so fühlt es sich an

Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um ein Tabu-Thema, das eigentlich keines sein sollte

Abtreibung: Das passiert & so fühlt es sich an

Auch wenn wir uns in vielerlei Hinsicht jenseits der strengen Gesellschaftsordnung der vergangenen Zeiten bewegen, wird das Thema Abtreibung heutzutage immer noch kontrovers diskutiert. Während einige mit dem Recht auf Leben argumentieren und den geplanten Schwangerschaftsabbruch einem Mordversuch gleichstellen, pochen andere auf dem Selbstbestimmungsrecht sowie der Feststellung, dass die biologische Vorbestimmtheit, als Frau auf die Welt zu kommen, noch lange nicht dazu verpflichtet, den eigenen Körper ohne Wenn und Aber als Brutkasten zweckzuentfremden, wenn dies den eigenen Lebensentwürfen vollkommen widerspricht. 

Doch ganz egal, mit welcher Meinung man diese Debatte bestreitet: Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund haben wir auf den folgenden Seiten die wichtigsten Fakten zum Thema Schwangerschaftsabbruch zusammengestellt – von der rechtlichen Lage, zu den Methoden, bis hin zu Erfahrungsberichten, erfährst du hier alles, was du wirklich wissen musst!

Abtreibung: Das passiert & so fühlt es sich an

Abtreibung in Deutschland: Das sagt das Gesetz

Was viele überraschen dürfte: Rechtlich gesehen ist eine Abtreibung hierzulande verboten. So sieht es zumindest Paragraph 218 des Strafgesetzbuches vor: "Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Drei Ausnahmen sind allerdings im Paragraph 218a festgehalten: Demnach bleibt der Abbruch der Schwangerschaft straffrei, wenn diese durch eine Vergewaltigung entstanden ist oder Ärzte bescheinigen können, dass Leben und Gesundheit der Frau durch die Schwangerschaft bedroht sind. Die dritte Ausnahme fällt unter die sogenannte Beratungsregelung: Demnach müssen Frauen sich mindestens drei Tage vor der Abtreibung in einer staatlich anerkannten Stelle beraten lassen. Ein Abbruch darf in letzterem Fall jedoch nur bis zur 13. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden. 

Ein weiterer Paragraph, der vor nicht allzu langer Zeit in diesem Zusammenhang hitzig diskutiert wurde, ist §219a: "Wer öffentlich (…) eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs... anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Dies mussten Ärzte, die auf ihren Webseiten über Abtreibung aufklärten, schmerzlich erfahren: Von Abtreibungsgegnern zu Strafzahlungen gedrängt, fühlten sie sich in ihrer Informationspflicht verletzt und forderten eine klarere Abgrenzung zwischen Aufklärung und Werbung. 

Abtreibung: Das passiert & so fühlt es sich an

Schwangerschaftsabbruch: Was passiert genau?

Es gibt drei Wege, einen Schwangerschaftsabbruch geplant vorzunehmen:

Bei einer Absaugung, welche die wohl am häufigsten genutzte Methode bildet, führt der Arzt einen Plastikschlauch in die Gebärmutter ein. Mithilfe einer Saugpumpe werden Embryo und Plazenta dann entfernt. Das dauert im Schnitt zwischen fünf und zehn Minuten.

Die zweite Methode, die der Ausschabung, sieht eine Ablösung des Embryos und der Plazenta durch eine sogenannte Curette, einem stumpfen Schabinstrument, vor. 

Zuletzt gibt es auch den Weg, die Schwangerschaft über Medikamente zu beenden: Diese hemmen die Wirkung des Hormons Progesteron, das essentiell für die Erhaltung der Schwangerschaft ist. Nach einigen Tagen ohne Hormonzufuhr stößt der Körper den Embryo dann von selbst ab. 

Selbst für die Befürworter in der Debatte klingen solch nüchterne Schilderungen erst einmal etwas befremdlich. Doch wie sieht es dann erst aus, wenn man emotional verstrickt ist, weil man womöglich selbst vor der alles verändernden Entscheidung steht? Wie fühlt man sich nach einem Abbruch? Diese Fragen beantworten die zwei Erfahrungsberichte auf den nächsten Seiten auf äußerst unterschiedliche Weise: 

"Für die Selbstbestimmung der Frau" Dilara

Dilara erzählt auf Youtube von ihren Erfahrungen: Sie wurde mit nur 20 Jahren trotz Verhütung schwanger und war nicht in einer Beziehung mit dem Kindsvater. Nach einem Termin bei der Beratungsstelle und der Krankenkasse entschied sie sich bewusst für einen Schwangerschaftsabbruch – und hat diese Entscheidung auch nicht bereut. "Keine Frau will ungewollt schwanger werdenIch war 20 und damit einfach viel zu jung, hatte gerade auch die Zusage von einer Kunsthochschule, an die ich unbedingt wollte." Sie hat durch die Erfahrung viel gelernt – nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Frauen in ihrer Situation einzustehen und Abtreibungsgegnern die Stirn zu bieten.

Ganz anders sieht es bei Nicki aus:

"Ich habe ein Menschenleben getötet." Nicki

Auch Youtuberin Nickisbeautyworld äußerte sich zu ihren Erfahrungen: Sie wurde mit 23 Jahren schwanger, war zu dieser Zeit in einer vierjährigen Beziehung, die jedoch alles andere als glücklich verlief. Ihr Freund rastete aus, als sie ihm die ungeplante Schwangerschaft beichtete – und Nicki ließ sich zu einer Abtreibung drängen. Diese empfand sie als schmerzhaft, traumatisch, aufwühlend: "Es fühlte sich an, als würden mir meine Eingeweide herausgerissen. [...] Es ging auch total schnell: Raus mit dir und der nächste. Wie so eine Massenabfertigung." Nicki empfand sich in der Situation nicht als selbst- sondern als fremdbestimmt: Noch heute verfolgt sie diese Episode ihres Lebens. "Ich bin danach in ein ganz tiefes Loch gefallen, psychisch. [...] Es ist jetzt noch aufwühlend darüber nachzudenken, was ich damals für eine schlimme, falsche Entscheidung getroffen habe ..."

So unterschiedlich die beiden Erfahrungsberichte ausfallen, so individuell ist jede Situation selbst. Man sollte daher keine Scham haben, einen Abbruch in Erwägung zu ziehen, für sich selbst zu bestimmen und eben kein Kind zu wollen. Jedoch ist es wichtig, sich zumindest genug Zeit zu lassen, die eigene Abwehr-Reaktion zu hinterfragen. Womöglich steckt dahinter bloß Angst – Angst vor den Blicken anderer, Angst vor Veränderung, Angst vor sich selbst – und die ist bekanntlich nie ein guter Beweggrund.